RAUMAKUSTIK - KNOW-HOW kompakt

Wenn wir einen Raum betreten, nehmen wir ihn sofort mit all unseren Sinnen wahr: Die Raumform, die Einrichtung, die Lichtführung, die Gerüche und natürlich den Klang des Raumes. Daher ist es im Zuge des Planungsprozesses wesentlich, auf alle diese erwarteten Sinneseindrücke einzugehen und ein ausgewogenes Ambiente zu entwickeln.

 

Architekten und Innenarchitekten konzentrieren sich üblicherweise auf die Formgebung, die Ausgestaltung und die optisch ansprechende Möblierung der Räumlichkeiten. Auch die Optimierung der in den Räumen geplanten Abläufe und Prozesse wird konzentriert behandelt. Die Zusammenarbeit mit Raumakustikern erweist sich in diesem Planungsstadium meist als sehr effizient und wichtig für den weiteren Projektverlauf. Werden doch hier die grundlegenden akustischen Eigenschaften des Raumes fixiert und optimiert. Dies nimmt direkten Einfluss auf die zukünftige Wahrnehmung des Raumes.

 

Die raumakustische Betrachtung reduziert sich jedoch nicht, wie oft falsch vermutet, auf die Optimierung der zu erwartenden Nachhallzeiten. Dies ist zu einfach und zu kurz gedacht und führt  in vielen Fällen zu akustisch unzureichenden Verhältnissen. Vielmehr ist es in vielen Fällen wesentlich, auf die Schallwellenausbreitung im Raum zu achten und diese zu optimieren. Damit wird es möglich, in allen Raumbereichen die idealen akustischen Bedingungen herzustellen.

 

Für verschiedene Raumnutzungen gibt es natürlich unterschiedliche raumakustische Anforderungen. Hier ein paar Beispiele:

BÜRORAUM, MEETING, TELEFON- UND VIDEOKONFERENZ

 

Hier eine Zone mit regem Telefonbetrieb, daneben ein Besprechungsraum. Im Telefonbereich darf es keine gegenseitigen Störungen geben, der Besprechungsraum sollte so klingen, dass selbst leiseste Nuancen in der Sprache gehört werden können – gute Kommunikation braucht guten Raumklang!

 

Insbesondere in Videokonferenzräumen müssen höchste akustische Ansprüche erfüllt werden – klares Sprachverstehen am anderen Ende der Konferenzleitung ist gewünscht.

 

In vielen Großraumbüros gibt es auch vertrauliche Kommunikationszonen, die starke akustische Abschirmungen nach außen erfordern – damit die darin geführten Gespräche mit Sicherheit vertraulich bleiben. Im Großraumbüro gilt es also, durch die ausgewogene Anordnung akustisch absorbierender Bereiche die gegenseitigen Störungen weitgehend zu minimieren um ruhiges Arbeiten zu ermöglichen.

 

In Meetingräumen liegen andere Anforderungen vor. Hier sollte auf ein gutes Sprachverstehen im gesamten Raum geachtet werden. Breitfrequente Schallabsorber in den Raumkanten und sprachselektive Reflexionszonen im zentralen Deckenbereich können ein ausgewogenes Ambiente für effiziente Meetings herstellen.

 

Die Abtrennung von lauten Bürobereichen (Großraum) zu Meetingräumen durch entsprechende Glaselemente oder undurchsichtige Wandelemente sollte so erfolgen, dass ein möglichst hohes Schalldämmmaß zwischen den lauten Arbeitsregionen und den  Besprechungszonen gewährleistet wird, d.h. die akustische Privatheit vertraulicher Kommunikationsbereiche ist durch das Einfügen von Elementgruppen sehr hoher Schalldämmung zu garantieren. Entsprechende  Gutachten bezüglich des Schalldämmmaßes der Wandelemente sollten vor der Installation eingeholt werden.

MEHRZWECKSAAL, VERANSTALTUNGSHALLE, TURNSAAL

 

Gerade in Mehrzwecksälen und Veranstaltungshallen sind sehr vielfältige akustische Anforderungen zu erfüllen. Im Rahmen von Konzerten sollen beispielsweise die Musiker in  der gesamten Halle, d.h. an allen Plätzen im Auditorium äußerst klar gehört werden. Bei einer Vernissage sollte ein sehr privates Ambiente bei den einzelnen Kunstwerken entstehen. Und bei einem Theaterstück ist oftmals eine starke emotionale Annäherung der Künstler an das Auditorium gewünscht.

 

Die Raumakustik muss all diese Anforderungen jedenfalls erfüllen. Hier ist die optimale Anordnung von reflektierenden und absorbierenden Bereichen meist eine  sehr gute Lösung. Insbesondere in den Raumkanten ist auf eine breitfrequente  Absorptionswirkung der verwendeten Akustikelemente zu achten. Beispielsweise generieren hier Kantenabsorber eine gute raumakustische Performance.

 

Im Zentralbereich der Decke sollten selektiv absorbierende Elementgruppen mit ausgewogenen Reflexionseigenschaften implementiert werden. Gerade selektiv rückreflektierende Bereiche sind  in vielen Fällen erwünscht, um dem Orchester bzw.  den Künstlern einen höchst dreidimensionalen Raumeindruck zu gewährleisten. Ein deutlich gesteigerter emotionaler Kontakt der Künsteler mit dem Publikum ist dadurch möglich.

HEIMKINO, HIFI UND HIGH-END IM PRIVATBEREICH

 

In den vergangenen Jahren ist ein massiver Boom im Bereich der privaten Heimkinos zu verzeichnen. Dies rührt von den deutlich fallenden Preisen im Bereich der Beamertechnologien und  kleinen Heimkinoanlagen her.

 

Mit den markant steigenden Verkaufszahlen kommen auch neue Sound-Technologien auf den Markt. Insbesondere die dreidimensionale Darstellung der Filmsounds im Heimkino, Stichworte Auro 3D ® und Dolby Atmos ®, erfreut sich  steigender Beliebtheit.

 

Bei Installation dieser  hochauflösenden  3-D-Soundsysteme im Heimkino ist es dringend erforderlich, möglichst hoch absorbierende  Bereiche gerade in den Raumkanten anzubringen, damit die Filmsounds mit korrekter zeitlicher Auflösung  und Dynamik an den Sitzplätzen ankommen. Insbesondere ist gerade in akustisch harten Räumen (Ziegel- und Betonwände) auf eine möglichst tieffrequente Abstimmung der akustischen Absorberbereiche (Helmholtz-Resonatoren) zu achten.

KONZERTSAAL, OPERNHAUS, PHILHARMONIE

 

Die akustische Ausstattung eines Konzertsaals oder Opernhauses stellt die Königsdisziplin für den Raumakustiker dar. Sowohl das Orchester als auch der Dirigent sollen sich  im Rahmen des Musizierens in völligem Einklang mit der Umgebung und den anderen Künstlern fühlen.

 

Jeder Musiker, jeder Künstler und Darsteller muss seine Kollegen mit absoluter Deutlichkeit und Klarheit hören können, und der Dirigent sollte das Orchester in dreidimensionaler Art und Weise so wahrnehmen, dass  jede kleinste Nuance in den Harmonien und Klangstrukturen des Orchesters gehört werden können. Auf dieser Basis ensteht ein einzigartiges akustisches Kunstwerk. Im Publikum müssen an jedem Sitzplatz möglichst  konstante Energieverteilungen und spektrale Ausgeglichenheiten herrschen, um den Zuhörern ein Maximum an Musik- und Kulturgenuss  zu ermöglichen.

 

Diese Anforderungen können durch eine optimierte Anordnung von reflektierenden und absorbierenden Bereichen im Bereich der Raumwände und Raumkanten  erreicht werden. Gerade im Mittelbereich der Decke über dem Auditorium ist auf eine frequenzselektive Wellenführung zu achten. Insbesondere ist den Rückreflexionen in das Orchester und zum Dirigenten  besondere Beachtung zu schenken, um den Künstlern durch den exakten Raumeindruck gute Rahmenbedingungen für Ihre Arbeit zu gewährleisten. Der Reflexionsbereich über dem Orchster sollte die Schallenergie selektiv in das Auditorium reflektieren und auch ein akustisches Feedback an den Dirigenten und das Orchester generieren.

 

Durch die Beachtung einer optimierten Wellenführung und guten Verteilung der Schallenergie im Konzertsaal kann der Kunstgenuss deutlich gesteigert werden.